WANDERN-LUST-GENUSS
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Interviews


Interview mit HANS KAMMERLANDER

am 23.09.2012


Michael Bartholomäus Journalist/Tourguide im entspannten Gespräch mit 
Extrembergsteiger- und Abfahrer Hans Kammerlander
am 23.09.2012 anlässlich 
gemeinsamer Erstbesteigung des Strudelkopfes im Hochpustertal/Südtirol nähe Plätzwiese mit 3-Zinnen-Blick. 


Michael:
Hans, kennst Du eigentlich bei Deinen vielen Exkursionen in der weiten Welt manchmal Heimweh?

Hans, resolut:
Nein, NIEMALS !

Michael:
Hans, viele meiner Kollegen und ich selbst mit beruflich sitzender Tätigkeit haben ab und an Probleme mit den Bandscheiben, den Knie- oder gar mit den Hüftgelenken. Wie sieht es da bei Dir aus? Du beanspruchst doch Deine Gelenke extrem, selbst bei eisigen Temperaturen im Extrembereich.

Hans, ganz gelassen:
Michael, ich selbst habe da ganz und gar keine Probleme damit, nicht mal die Geringsten! 

Michael:
ich habe bei unserem Bergauf laufen bemerkt, das Du keinerlei Flüssigkeit zur Dir genommen hast und auch keine Trinkflasche mit Dir führst. Wie regelst Du Deinen Flüssigkeitsbedarf beim Bergwandern oder gar an der Felswand?

Hans, mit schlechtem Gewissen:
Ja, Michael, ich sollte tatsächlich mehr Flüssigkeit zu mir nehmen, da ich während des Bergsteigens oder an der Wand nichts trinke.
Nach dem Abstieg gönne ich mir dann einen Espresso oder deren zwei und vielleicht noch ein Glas Wasser oder mal ein kleines Bierchen.

Michael:
Was sind Deine Gedanken, wenn Du alleine an der Wand kletterst?

Hans:
Eigentlich denke ich an nichts Besonderes, genieße nur die Natur und denke oft, dass wir Menschen doch die Tiere nicht gut behandeln auf dieser Welt, das ärgert mich schon sehr. Natürlich schweifen die Gedanken auch mal ab, aber ganz selten, dann kommen mir die meist Gedanken an meine 4 1/2 Jahre Tochter, die in Hamburg lebt. Ansonsten ist mein Kopf grundsätzlich frei, bin ganz bei der Sache, hoch konzentriert und fühle mich als Teil der Natur.

Michael:
Wie konnte man früher ohne die speziellen Kletterschuhe mit Patent Kautschukmischung, die heute an den Wänden kleben, überhaupt steile Wände erklimmen ?

Hans:
Ja, das ist jetzt schon 130 Jahre her, als in Sexten die "Batschen" erfunden wurden, die Wanderschuhe sind mit einer Filzsohle belegt worden..., und damit konnte man dann einigermaßen Halt an den Felsen finden.

Michael:
Hans, nun etwas ganz anderes, denkst Du auch mal über den Tod nach? Hast Du einen besonderen Glauben, der Dir das Leben in Krisensituationen erträglicher macht? Glaubst Du an ein Leben nach dem Tod?

Hans:
Nein Michael, da habe ich mir noch niemals Gedanken darüber gemacht, einer Religion gehöre ich auch keiner an, aber der Buddhismus gefällt mir am noch besten, weil er andere Religionen zulässt, ohne jedoch selbst ein Buddhist sein zu müssen. Beim Christentum stört mich eigentlich... die Institution Papst, etwas. 

Michael:
Würdest Du mich einmal mit an die Wand nehmen?

Hans mit sehr viel unterdrückter Trauer in den Augen:
Sofern Du in geregelten Verhältnissen in der Familie aufgewachsen bist und Dich in keiner momentanen Konfliktsituationen befindest, gerne.
Da habe ich eine eigene Theorie darüber. Viele meiner Freunde sind nämlich dadurch zu Tode gekommen, sei es durch Abstürze oder Blitzschlag. Dein Kopf muss absolut frei sein, sonst hast Du nichts in den Bergen verloren.
Du nennst diese Theorie Selbstbestrafungsprinzip, ah ja, so so. Darüber dachte ich noch nie weiter nach. Ist eine Überlegung wert...

Michael:
Manche Medien behaupten, Du hättest bei Deiner Aktion Seven Second Summits (sieben zweithöchste Berge der Welt zu besteigen) 2010 einen falschen Gipfel erreicht.

Hans, etwas traurig:

Zunächst, Michael, hat das nichts mit eurer deutschen Fernsehwerbung, Zitat " gib Dich nicht mit dem zweitbesten Essen zu zufrieden" zu tun.
Vielmehr ist der Grund diese Gipfel, die meist lediglich 50 meter tiefer liegen, zu besteigen, dieser:
Diese Berge sind noch nicht bekannt und erschlossen, Basislager dort zu errichten, ist extrem schwer zu bewerkstelligen und die Wände sind auch nicht flacher. Am Everest musst ja dagegen inzwischen einen Nummer ziehen, damit Du hoch darfst, -schmunzelnd-
Ich liebe die Natur und eben die Einsamkeit. Rummel mag ich nicht. 
Nun zum Thema: 
Am Mittwoch 23. Mai 2012 um 11 Uhr habe ich mit meinem Sandner Seilgefährten Markus Neumair den „G-West“-Gipfel am 5956 Meter hohen Mount Logan erreicht. 
Um allen Gerüchten und solchen, die sie streuen, von vornherein den Wind aus den Segeln zu nehmen, habe ich mit meinem Mitstreiter das gesamte, rund zehn Kilometer lange Gipfelplateau überquert. Dabei gibt es zwölf bis 15 Einzelhügel bzw. -gipfeln, von denen der wo ich 2010 stand und der etwas steilere, spitzigere und rund 12 Meter höhere „G-West“-Gipfel die markantesten sind.

Der viel diskutierte Gipfelpickel, den meine Kritiker des ersten Gipfelerfolges angemahnt haben, wurde gefunden und fotografiert. Ich habe keinen Austausch der Pickel vorgenommen um nicht wieder zur Zielscheibe von übereifrigen Reaktionen zu werden.

Michael:
Hans, Du bist ein bodenständiger Mensch geblieben, das bestätigen sehr viele Freunde und Skilehrerkollegen von Dir, wie zum Beispiel der Alfred Prenn Tourismuspräsident Hochpustertal, Du kannst nicht nur sehr interessante mitreißende Geschichten erzählen und natürlich auch sehr gut Witze in Deiner eigen betont ruhigen Art, sondern besitzt die seltene Fähigkeit als prominenter weltbekannter Mensch, Deinen weniger prominenten Mitmenschen auch aufmerksam zuhören zu können!!!

Was planst Du eigentlich für die Zukunft?

Hans:
Ab April 2013 bin ich erneut in der Welt unterwegs. Diesmal besteige ich alle Matterhörner dieser Welt, das bedeutet alle Berge, die optisch wirken, wie das Schweizer Matterhorn. Ich liebe das Matterhorn.

Michael:
Nun, eine sehr ernste Frage, Hans:
Was ärgert Dich, abgesehen davon, das wir Menschen den Tieren zu wenig Respekt zollen, am meisten ?

Hans, sehr ernst und in sich gekehrt:
Michael, Du kannst Dich sicherlich an unser Gespräch mit Dir und einer Freelance Journalistin aus München, die auch für die Printmedien eines bekannten Frauenmagazines berichtet, auf der Outdoor Friedrichshafen 2011 erinnern ?

Michael, ergreifend:
Ja natürlich, betende Mönche im Himalaja, als Du mit einer Gruppe Bergsteiger als Bergführer unterwegs warst, sind völlig grundlos von Chinesischen Soldaten mit Maschinengewehren getötet worden. Ihr habt Euch vor Furcht in den Schnee geworfen und habt Euch still verhalten, das Ihr nicht von den Mördern entdeckt werdet.

Hans, belebt:
Ja, genau, einer meiner Teilnehmer hat diese schreckliche Tat mit der Handycamera gefilmt. 

Michael:
Sag mal, Hans, kann es sein, das die europäischen Journalisten oder Chefredakteure Angst davor haben, diese Geschichte zu veröffentlichen, aus welchem Grund auch immer..., habe nämlich dahingehend noch nichts in den Medien lesen können.

Hans:
Ja, da kannst Du sicher recht haben. Vor einiger Zeit habe ich im Tibet eine Expedition geplant, Sherpas und Flüge gebucht. Das hat mich 20.000,00 € gekostet. Dann hat man mich nicht ins Land gelassen. Nun ist für Alle Tibet geschlossen. Ja, mehr ärgert mich nichts auf dieser Welt. 

Michael:
Das klingt nach einem spannenden Abenteuerroman und ist aus dem Leben, Knallhart.

Nun noch eine letzte Frage zur Entspannung:
Kannst Du Dich eigentlich auch mal nicht bewegen und wenig körperlich tun? Ich glaube es kaum, da Dein Körper wohl derzeit kein Gramm Fett besitzt, schätze Dein Gewicht auf maximal 65 Kg bei Schuhgröße 40.

Hans, wieder schmunzelnd:
Sehr sehr selten, aber bin ich doch ein Genießer auf allen Ebenen. Das beweist doch auch mein umfangreicher Weinkeller im Ahrntal , in diesem können wir ja weiter über dies und jenes dieser Welt philosophieren. Sollten Deine Leser mehr Interesse an meinen Abenteuern besitzen, können Sie gerne in meinen Büchern lesen.

Ganz besonders freue ich mich aber über die Teilnahme Deiner Leser, natürlich auch besonders über Deine Leserinnen, an meiner 24 Stunden Wanderung in den herrlichen Bergen des Hochpustertals in den Dolomiten im Juli 2013. Da kann man mich persönlich Kennenlernen. Bei dieser Tour in 4 Abschnitten lernst Du liebe Leserin und lieber Leser aber wohl zunächst Dich selbst kennen. Im Juli 2012 war unter anderem auch Barbara Becker dabei und alle 40 Teilnehmer haben die Tour geschafft, obwohl es permanent geregnet hat.
Nun lass uns aber in der Berghütte einkehren, einen Espresso und einen Zirbel trinken, wenns recht ist.

Michael:
Lieben Dank, Hans, das machen wir gerne!


...aus der Homepage von Hans Kammerlander:

"SEVEN SECOND SUMMITS"

Als Hans Kammerlander am 3. Januar 2012 den Gipfel des Mount Tyree (4.852 m) in der Antarktis bestieg, war er sich eigentlich sicher, dass er sein Projekt der „Seven Second Summits“, die Besteigung der zweithöchsten Gipfel aller Kontinente, erfolgreich abgeschlossen hat. Doch in der Folgezeit kamen Zweifel am Gipfel-Erfolg auf dem Mount Logan auf. Diese Zweifel haben inzwischen ein großes mediales Echo gefunden und für eine lebhafte Diskussion im Internet gesorgt. Hans Kammerlander äußerst sich dazu nun erstmals in einer von ihm persönlich autorisierten Stellungnahme und in einen sehr persönlichen Interview auf der österreichischen Internetplattform bergsteigen.at.
Hans Kammerlander hat aufgrund der Irritationen entschieden, im Mai 2012 erneut zum Mount Logan zu reisen, um sich direkt vor Ort ein Bild der Situati-on zu machen. Sollte er dabei feststellen, dass er im Mai 2010 tatsächlich nicht den Hauptgipfel erreicht hat, will er sofort einen Versuch unternehmen, diesen Fehler zu korrigieren. Hans Kammerlander legt ausdrücklich wert auf die Feststellung, dass er nicht absichtlich einen falschen Gipfel bestiegen ha-be. „Wir hatten an diesem Tag gutes Wetter und Zeitreserven. Es wäre leicht möglich gewesen, auch jeden anderen der vielen Gipfel zu besteigen, zumal sie sich alle nicht wesentlich in der Höhe unterscheiden und keine extremen Schwierigkeiten aufweisen“, erklärt Kammerlander und bedauert, dass die öffentliche Diskussion in einer teilweise beleidigenden Art und Weise geführt.
Interview führte Michael Bartholomäus auf dem Weg zum Strudelkopf mit 3-Zinnen-Blick